Mann schneidet Gras mit Nagelschere

Viele Höchstleistungen sind darauf zurückzuführen, dass Menschen mit dem aktuellen Status Quo nicht zufrieden waren. Eine latente Unzufriedenheit ist der Treiber hinter vielen positiven Entwicklungen. In unserem Beruf, wie im Privatleben. Und wenn es keine Perfektionisten unter uns gäbe, die immer noch etwas mehr herausholen wollen, dann sähe unsere Welt anders aus und wir würden vermutlich noch an der Feuerstelle kochen. Letzteres klingt vielleicht etwas theatralisch, aber Ende sind es die Menschen unter uns, die mit dem hier und jetzt nicht zufrieden sind und statt aufzugeben den Zustand verändern bzw. verbessern wollen. Doch als Selbstzweck ist Perfektionismus gefährlich und im Zweifel heisst es: „Perfekt bis zum bitteren Ende…“.

Egal ob im Sport, der Musik oder in der Führung als junger Gründer oder langjährige Inhaberin. Zuviel des Guten ist nachteilig für uns. Allen Anforderungen gerecht werden zu wollen ist auf Dauer ungesund und langfristig auch nicht produktiv.

Meist merken andere Menschen in unserem Umfeld schon früher als wir selbst, dass wir uns mit den eigenen Erwartungen überlasten. Daher ist es wichtig, sich selbst reflektiert zu betrachten. Perfektionismus kann uns alle treffen, besonders wenn wir motiviert sind etwas zu erreichen.

Vorsicht ist geboten, wenn Du folgendes bei dir beobachten kannst:

  • Die Delegation von Aufgaben fällt dir sehr schwer.
  • Du möchtest alles kontrollieren und prüfst vieles mehrfach.
  • Du planst alles im Detail durch und fertigst mit Vorliebe Listen für alles mögliche an.
  • Entscheidungen zögerst du hinaus, um „auf Nummer sicher“ zu gehen, weil du (unbewusst) Angst vor Fehlern hast.
  • Du kannst nie oder sehr schwer „Nein“ sagen

Durch diese Verhaltensweisen erreichst du oft das Gegenteil und verweigerst dir Erfolgsmomente.

 

Skizze - Kein perfekter Moment

Skizze – Kein perfekter Moment

 

Wie kannst du hier Entlastung herbeiführen, den inneren Druck verringern?

Das wichtigste ist die eigenen Ansprüche an sich selbst zu senken. Oft fordert unser Umfeld diesen Perfektionismus überhaupt nicht. Gerade bei Menschen, die versuchen Beruf, Beziehungen, Kinder und Haushalt unter einen Hut zu bekommen, sind die täglichen Anforderungen oft immens groß.

Das Streben nach Perfektion begleitet viele Menschen täglich. Zwillingsstudien haben gezeigt, dass 30 – 50% dieses Verhaltens im Erbgut angelegt ist. Das soziale Leben ergänzt den Rest und kann diese Anlage deutlich verstärken.

Kein Wunder! Eltern spornen ihre Kinder an bessere Noten nach Hause zu bringen, um später beste Voraussetzungen für Ausbildung oder Studium zu haben. Die Freundin lebt uns ihre Bilderbuchfamilie vor und der Arbeitgeber verlangt das wir Höchstleistungen erbringen und ein großes Arbeitspensum bewältigen. Und zu guter Letzt bieten uns die digitalen Medien endlos viele Möglichkeiten für Vergleiche mit anderen.

Reichen 80% nicht? Müssen es immer die sprichwörtlichen 120% sein?

Manche blicken auf den Tag zurück und erfreuen sich an dem Geleisteten, auch wenn es mal nicht frei von Fehlern war. Das eigentlich positive Ergebnis zählt für sie.

Andere sehen jedoch nur das, was sie nicht geschafft haben und anstelle von gelassener Freude über Erreichtes motiviert sie die Angst vor dem Versagen. Angetrieben von Ängsten entwickelt sich negativer Stress und der tut sein übrigens um Erfolg zu verhindern.

Diese Perspektive verhindert die Chance etwas als gelungen anzusehen. Perfektionismus ist hier das Hindernis auf dem Weg zu Erfolg.

Schärfe deinen Blick für gelungenes.

Halte am Tagesende einen Moment inne und führe dir ganz konkret vor Augen was dir an diesem Tag gut gelungen ist. Versuche dies bewusst wertzuschätzen.

Hinterfrage deine Angst vor Fehlern.

Auch wenn wir oft befürchten, dass ein Fehler verheerende Folgen haben könnte, so ist das neutral betrachtet oft gar nicht wahr. Sprich Partner:innen, Kolleg:innen und Vorgesetzte an bevor du etwas mit schlechtem Gefühl beendest und du wirst sehen, dass dir meistens gar keine Negativität entgegenschlägt.

Halte dir vor Augen, das Fehler machen menschlich ist und du aus ihnen lernen kannst. Perfektionismus kann die eigene Weiterentwicklung bremsen.

Wer nur das tut, was er kann, bleibt immer das, was er schon ist.

– Mark Twain

Akzeptiere persönliche Stärken und Schwächen.

Jeder von uns ist ein anderer Typ und tickt daher anders. Wir alle haben Dinge die wir besser beherrschen als andere. Die Akzeptanz dieser Stärken und Schwächen führt im besten Fall dazu, dass du deine Ziele und eigene Erwartungen daran anpasst. Es kann sehr befreiend sein manche Ansprüche zu senken und gleichzeitig das verstärkt zu verfolgen, was du dir wirklich wichtig ist. Dazu können Dinge gehören, die du noch nicht beherrschst, aber nur so entwickelt man sich weiter.

Nutze besonders die aktuelle Zeit des Umdenkens und der Neuorientierung als Chance für einen Perspektivwechsel. Stimmen deine Maßstäbe für Erfolg oder verfolgst du eine kaum erreichbare Perfektion? Welche Prioritäten kannst du neu setzen? Gerade im Moment werden alte Gewohnheiten, Routinen und Denkmuster durchgeschüttelt und kann dir neuen Freiraum und mehr Selbstbewusstsein schenken.

Es ist nicht falsch auch mal etwas perfekt machen zu wollen, aber mit dauerhaftem Perfektionismus verhinderst du mehr als du erschaffst. Eine andere Fähigkeit kann dir dabei helfen: Resilienz – Ein Patentrezept für innere Widerstandskraft?

Als Buchtipp können wir dir: „Perfektionismus überwinden: Wie Sie das Pareto-Prinzip im Job und Alltag anwenden, um Ihr Leben stressfrei und gelassen zu gestalten und Aufgaben effizient zu erledigen.“ von Felix Amhoff empfehlen. Wenn du noch mehr über das Pareto Prinzip, die 80/20-Regeln wissen möchtest, dann schau dir noch „Das Pareto-Prinzip: Mit der 80/20 Regel mehr Erfolg, Zufriedenheit und Gelassenheit erlangen. Zeitmanagement und Selbstorganisation der etwas anderen Art.“ von Alex Prick an.

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