Positiv Denken

Homeschooling. Dienstag vormittag 10:15 Uhr. Meine älteste Tochter nörgelt mal wieder lauthals sowohl über die Menge als auch über den Schwierigkeitsgrad der Berge aus schulischem Inhalt, die sich vor ihr auftürmen. Ja, ich verstehe es, aber nein, es bringt nichts nur das Negative zu sehen. Und so versuche ich ihr zu vermitteln, dass sie es positiv sehen muss, denn dann wird alles viel leichter von der Hand gehen. Am Besten die dickste Kröte zuerst schlucken und dann alles gut wird. Aber mal ehrlich, der Satz „Das musst du positiv sehen.“ ist in der Tat nicht immer so einfach umzusetzen.

Also steht die ganz konkrete Frage im Raum, wie wir eine Situation positiv betrachten sollen, um sie besser bewältigen zu können, wenn uns eigentlich eher nach Heulen und Schreien zumute ist? Ein Päckchen positives Denken gibt es schließlich nicht im nächsten Supermarkt zu kaufen.

Woher kommen die Grundgedanken hinter Positivismus und Optimismus?

Die Philosophie des Positivismus und des Optimismus reicht Jahrtausende zurück. Wissenschaftler erklären, dass die Kraft des positiven Denkens mehr als nur ein Schlagwort ist. Positives Denken kann viele neue Verbindungen im Gehirn erzeugen und negative Denkmuster zu überwinden. So ist beispielsweise bereits im Buddhismus verankert, dass alleine die Änderung der eigenen Gedanken bereits einen Einfluss auf die Realität hat und diese für einen selbst und darüber für andere verändern kann. Auch in der kognitiven Verhaltenstherapie als Teil der Psychologie stehen die positiven Gedankenmuster im Mittelpunkt.

Die wichtigste Grundvoraussetzung ist zu erkennen, bei welche Auslösern wir eher zu negativen Gedanken neigen. Die Bewusstheit darüber zu haben, welche Kettenreaktionen in unseren Gedankenmustern ausgelöst werden können, ist der erste Schritt. Ja sicher, es passieren auch negative Dinge mit denen wir umgehen müssen. Die entscheidende Frage ist allerdings, wie wir diese Erlebnisse gedanklich verarbeiten und wie uns dies für zukünftige Ereignisse prägt. Unser Gehirn benötigt fünf positive Erfahrungen, um sich davon zu überzeugen, dass die eine negative Erfahrung ein Zufall war und nicht der Regel entspricht.

Änderung des Blickwinkels.

Das Glas ist nicht halb leer, sondern halb voll. Es ist nur eine kleine Änderung des Blickwinkels, die einen Menschen zum Optimisten macht. Doch gerade „die paar positiven Gedanken“, wie sie Pessimisten gerne abtun, können eine Menge bewirken. Forscher konnten zeigen, dass positive Gefühle nicht nur den Geist, sondern auch den Körper beeinflussen. Dabei entfalten sie mitunter eine erstaunliche Kraft: Optimisten leben länger und gesünder. Das legt zumindest eine grosse Studie unter der Führung von Hilary Tindle nahe. Zusammen mit Kollegen hatte sie über 90.000 gesunde Menschen anhand von Persönlichkeitstests in optimistische und pessimistische Lebenseinstellungen eingeteilt und über acht Jahre beobachtet. Hilary Tindle wurde an der Havard Medial School und der Universität von Chicago ausgebildet und hält einen Doktortitel sowie einen Master of Public Health. Bereist 2013 veröffentlichte Sie das Buch „UP: How Positive Outlook Can Transform Our Health and Aging“.

Auch künstlich hervorgerufene positive Gefühle wirken.

Offenbar kommt es dabei noch nicht einmal auf die richtige innere Einstellung an. Barbara Fredrickson, Psychologin an der University of North Carolina at Chapel Hill, konnte in Experimenten nachweisen, dass sogar künstlich hervorgerufene positive und negative Gefühle eine Wirkung haben. Dazu wählte sie eine etwas seltsam erscheinende Versuchsanordnung.

Erst wurde den Probanden mitgeteilt, dass sie nach kurzer Vorbereitungszeit eine Rede halten sollten. Das Thema: „Warum sie gute Freunde sind?“. Bei allen schnellte der Puls nach oben. Vor dem angekündigten Vortrag mussten die Teilnehmer allerdings noch ein Video gucken. Bei der einen Hälfte weckte der Film negative Gefühle wie Traurigkeit. Die anderen schauten sich Bilder an, die positive Gefühle wie Freude hervorriefen. Anschließend bekamen die Probanden gesagt, dass sie doch keinen Vortrag halten müssen.

Das Ergebnis des Experiments: Der Puls derjenigen, die das positive Video gesehen hatten, beruhigte sich nach der Absage des Vortrags deutlich schneller als der Puls der Gruppe mit dem negativen Video. Fredrickson interpretiert das so:

„Viele Krankheiten sind eng mit den körperlichen Reaktionen auf Stress verbunden.“

Wenn wir positiv denken, dann profitieren wir auch von weiteren gesundheitlichen Vorteilen. Eine erhöhte Lebensdauer, ein niedrigeres Depressionsrisiko, geringere mentale Belastung und eine erhöhte Resistenz gegen Erkältungen und kardiovaskulären Erkrankungen. Das Wichtigste ist jedoch das Gefühl persönlicher Kontrolle über die Dinge des Alltags.

Und so kannst du positives Denken im Alltag umsetzen und trainieren.

  • Analysiere und Beobachte: Nimm dir jeden Tag 10-15 Minuten Zeit und reflektiere deinen Tag. Was war positiv, was ist gut gelaufen und womit warst du zufrieden. Am Besten schreibst du es in ein kleines Büchlein, führst eine positives Tagebuch. Auch wenn du glaubst, da war nichts großartig positives, dann denke auch an die kleinen Dinge des Alltags.
  • Keine Vergleiche: Verzichte auf Vergleiche mit der Kollegin, die mehr verdient, dem Nachbarn, der den schöneren Garten hat, oder die Freunde, die ihre Kinder besser im Griff haben. Das endet zwangsläufig in negativen Gedanken.
  • Negative Gedanken bewusst ersetzen: Ertappst du dich bei einem „Ich kann das nicht.“, dann wandle diesen negativen Gedanken bewusst in einen positiven Gedanken um: „Ich werde das schaffen!“. Es macht einen sehr großen Unterschied, wie wir die Welt betrachten. Die selbsterfüllende Prophezeiung gibt es im Positiven wie im Negativen.
  • Wer sucht der findet: Suche gezielt den positiven Aspekt in jeder Situation um die neuronalen Verbindungen in deinem Gehirn zu programmieren. Je mehr wir an einem bestimmten Neuron, wie z.B. die Positivität arbeiten, desto stärker wird es. Trainiere also deine Gedanken bewusst und regelmäßig.
  • Lächle: Ein Lächeln sorgt schon nach kürzester Zeit für gute Laune und einen positiveren Blick auf die Umstände. Viele Muskeln sind an diesem Prozess beteiligt, Endorphine werden ausgeschüttet und die Adrenalinproduktion gehemmt. Diese kurzzeitigen Veränderungen im Hormonhaushalt bewirken kleine Wunder.
  • Akzeptiere, was nicht zu ändern ist: Dies gilt besonders für die Vergangenheit, die sich einfach nicht mehr verändern lässt. Gedanken wie: „…hätte ich nur…“ oder „…wenn das anders gelaufen wäre…“ führen nur in die Negativität. Lebe im Jetzt und entwickle damit eine gewisse Gelassenheit gegenüber der Vergangenheit.

Positives Denken kreiert positive Ereignisse.

Wenn du verstärkt positiv denkst, lebst du statistisch gesehen nicht nur länger, sondern auch gesünder, hast mehr Energie, mehr Erfolg, triffst bessere Entscheidungen und bist deutlich produktiver. Alles zusammengenommen führt zu mehr Wohlbefinden und Zufriedenheit. Ein paar positive Tage ergeben schnell eine positive Woche. Aus ein paar positiven Wochen wird ein positiver Monat machen und schon bald gehört positives Denken genauso zu dir, wie die vielen anderen täglichen Routinen über die du nicht mehr nachdenken musst.

Wenn du dein Umfeld, also deine Kinder, Partner*in oder Freunde ebenfalls mit Fragen zu positivem Denken lenkst, legst du einen wichtigen Grundstein für nachhaltige Veränderungen.

Also immer daran denken: Das Glas ist halb voll. In jeder Krise steckt eine Chance und es lohnt nicht über verschüttete Milch zu klagen.

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